Aktienanlage

Belohnung der Aktionäre: Was Du Verstehen Solltest

Leider verstehen viele Anleger nicht, was sie tatsächlich an der Börse reich macht.

Viele kaufen Aktien von schlechten Unternehmen, ohne einen bestimmten Grund, ohne Kriterien oder noch schlimmer: als Empfehlung von Dritten (Analysten). Das ist ein gutes Rezept für Geldverlust und Kapitalvernichtung.

Was dich an der Börse reich macht, sind zwei Dinge: Wachstum (höhere Aktienkursen) und / oder Gewinnausschüttungen (Dividende).

1. Wachstum

Dieses Konzept ist ziemlich einfach, aber nur Wenige verstehen es.

Die wichtigste Angabe einer Unternehmensbilanz ist der Nettogewinn. Es ist nicht der Umsatz, es ist nicht der Ergebnis vor Steuer, und es ist auch nicht die Summe der Verbindlichkeiten. Es ist der Nettogewinn.

Nettogewinn ist was der Besitzer des Unternehmens (und die Aktionäre) in ihre Tasche stecken, nachdem sie Steuern und Schulden bezahlt haben.

Je höher der Nettogewinn, desto höher der Wert des Unternehmens. Und desto höher ist die Fähigkeit, künftigere Dividenden an die Eigentümer auszuschütten.

Je höher der (behaltene) Nettogewinn ist, desto schneller wächst das Eigenkapital des Unternehmens. Je höher das Eigenkapital des Unternehmens ist, desto höher ist die Fähigkeit, in neue Umsatzquellen zu investieren / Unternehmen zu erwerben und letztendlich weitere Erträge zu generieren.

Das heißt, der Gewinn ist alles, was der Aktionär wünschen sollte, da es genau seine „Vergütung“ (Belohnung) als Eigentümer eines Unternehmensanteils ist (selbst wenn es NICHT verteilt wird).

All das soll uns einfach zur nächsten “Grundregel” der Börse bringen.

Aktienkurs folgt Nettogewinn auf lange Sicht

Unten findest du ein Paar Bilder, um diese Aussage zu beweisen. Sie wurden anhand des durchschnittlichen jährlichen Aktienkursen von 2008 bis 2017 und des veröffentlichen Unternehmensbilanzen ermittelt.

 

Korrelation Kurs Gewinn Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA

Korrelation Gewinn/Aktienpreis: Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA

 

Korrelation Kurs Gewinn Bayer AG

Korrelation Gewinn/Aktienpreis: Bayer AG

 

Korrelation Kurs Gewinn Henkel

Korrelation Gewinn/Aktienpreis: Henkel AG & Co. KGaA

 

Korrelation Kurs Gewinn RWE

Korrelation Gewinn/Aktienpreis: RWE AG

Bitte beachten, dass beide Kurven früher oder später immer konvergieren. Egal, wie sich der Kurs des Nettogewinns entwickelt, der Aktienpreis hat eine sehr hohe Korrelation zu dieser Kennlinie.

Achte aber auch auf das Detail bezüglich des Zeitraums, der analysiert wird. Es ist durchaus möglich, dass der Aktienpreis eines bestimmten Unternehmens (kurzfristig betrachtet) sein Nettogewinn nicht folgt, was sogar zu erwarten ist.

Das liegt daran, dass der Aktienkurs nicht nur seine aktuelle Bewertung spiegelt, sondern auch eine künftige Erwartung + Nachrichten und relevante Fakten bezüglich des Unternehmens. Auf lange Sicht verlieren diese „Effekte“ jedoch an Bedeutung und als Folge der Aktienkurs bewegt sich in Richtung Nettogewinn des Unternehmens.

Wer (oder welche Strategie) gewinnt am meisten von der Aktienkurs-Nettogewinn-Regel? Genau Die Aktionäre, die langfristig in guten Unternehmen investieren.

Diese Art von Anteilseigner, die regelmäßig (unabhängig vom aktuellen Aktienkurs) Aktien kauft, wird ihren mittleren Preis immer unter dem aktuellen Aktienkurs halten (auf lange Sicht).

Fazit des ersten Faktors, der den Anteilseigner reich macht: Nettogewinnwachstum bedeutet Wachstum des Eigenkapitals und höhere Fähigkeit, Nettoerträge zu erwirtschaften. Dies führt auf lange Sicht zu einer Erhöhung des Aktienpreises (höherer Wert der Beteiligung am Unternehmen).

Wenden wir uns nun dem zweiten Faktor, der dich reich an der Börse macht, zu.

2. Dividendenausschüttung

Wie in Faktor 1 erläutert, muss das Unternehmen, wenn es Nettogewinn generiert, entscheiden, was mit diesem Geld geschehen soll. Es kann sowohl in das Unternehmen reinvestiert (Nettogewinn steigern und wachsen) als auch an die Eigentümer / Aktionäre verteilt werden. Diese Gewinnausschüttung ist die zweite Form zur Belohnung der Aktionäre.

Es gibt auch eine Menge Verwirrung hier. Viele „Investoren“ erwerben Aktien eines bestimmten Unternehmens, nur weil es viele Dividenden ausschüttet. Es gibt sogar eine Reihe von ETF-Produkten, die in Unternehmen investieren, die die meisten Dividenden ausschütten.

Das ist ein Fehler, weil die Dividende aus dem Barvermögen des Unternehmens stammt, so dass dein Geld vor der Verteilung = dein Geld nach der Verteilung ist. Es ist einfach so, als ob ein „Stückchen“ der Aktie dir als Bargeld zurückbezahlt wird, ohne dass du Aktien verkaufst.

Das heißt, wenn ein Unternehmen welcher Aktie einen Wert (Preis) von 100 Euro hat und dem Markt mitteilt, dass es 2 Euro pro Aktie ausschütten wird, wird diese Aktie nach der Ausschüttung (Ex-Dividende) 98 Euro Wert sein. Die 2 Euro werden vom Aktienpreis abgezogen und dir durch dein Brokerkonto bezahlt. Wir haben dann folgende Situation:

Aktie vor der Dividendenausschüttung: 100 €

Aktie nach Dividendenausschüttung: 98 € + 2 € in deinem Brokerkonto

Das heißt, du wirst nicht „reicher“ nach der Dividendenausschüttung. Das Unternehmen hat einfach sich entscheidet, ein Teil seines Barvermögens dich zurückzugeben. Dieses Barvermögen stammt aus deinem eigenen Anteil an Unternehmen, und deswegen wird es aus dem Aktienpreis diskontiert. Deshalb ist es sehr wichtig, während dein Eigenkapital noch in der Wachstumsphase ist, dass Dividende reinvestiert werden, wie hier erläutert.

Was ich damit meine ist folgendes: die Entscheidung, was mit dem Nettogewinn des Unternehmens zu tun ist, ist eine Aufgabe für das Management. Wenn das Unternehmen keine vernünftige Investitionsmöglichkeit für sein Barvermögen sieht, und es ist auch nicht verschuldet, dann ist das richtigste, dieses Geld an die Aktionäre zu verteilen. Es gibt kein Problem damit! Vor allem, wenn das Unternehmen nirgendwo wachsen kann oder möchte.

Das heißt, dass die Ausschüttung von Dividenden eine logische Schlussfolgerung ist (oder sein muss), wenn wir die aktuelle Situation eines Unternehmens und seine Investitionsmöglichkeiten berücksichtigen.

Es macht also kein Sinn, wenn ein Unternehmen sich verschuldet, um Dividende zu zahlen! Das sollte für dich klar sein, dass hohe Dividendenausschüttungen nicht bedeuteten, dass ein Unternehmen „gut für die Aktionäre“ ist. Aber man wird letztendlich auch an solche Unternehmen investieren, wenn die Aktienauswahl mit der historischen Dividendenausschüttungen anfängt.

Was ist das Beste: Aktionäre durch Wachstum oder Dividenden zu belohnen?

Es gibt kein besseres oder schlechteres. Das wichtigste ist immer, sich auf die Auswahl guter Unternehmen zu konzentrieren, unabhängig von ihrer bevorzugten Form zur Belohnung der Aktionäre. Darüber hinaus wird ein gutes Unternehmen (auf lange Sicht) den Aktionär immer auf beide Weise belohnen.

Wenn das Unternehmen vor kurzem entstanden und noch klein ist, wird es den Aktionär überwiegend in Form von Wachstum belohnen. Danach kann es Perioden von Wachstum + Dividenden geben, und dann überwiegend mit Dividenden, wenn es sehr groß geworden ist und nicht mehr wachsen möchte oder kann.

Es gibt Unternehmen, die den Aktionär im Laufe von mehreren Jahren nur durch Wachstum belohnen. Schauen wir uns das Beispiel von Apple an.

Apple Yahoo Finance Grafik

Apple hat in einem Zeitraum von ca. 16 Jahre keine Dividende ausgeschüttet. Ihre Aktinäre sind aber nicht enttäuscht… (Bild-Quelle: Yahoo Finance)

Zwischen 01/01/1996 und 07/31/2012 wurden keine Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet. Allerdings ist Apple in diesem Zeitraum sehr viel gewachsen (anders gesagt: immer mehr und mehr Nettogewinn generiert). Diese Gewinnwachstum hat einer Aktienpreissteigerung von weniger als 1 US $ bis 85,9 US $ entsprochen. Das bedeutet ein Gewinn von ca. 7500% für die Aktionäre. Wärst du in diesem Fall über Dividendenausschüttungen besorgt? Du könntest dir selbst ein Paar Aktien verkaufen, um dich selber Dividenden auszuschütten.

Offensichtlich ist Apples Beispiel extrem, aber wir können ziemlich einfach andere Unternehmen finden, die ihre Aktionäre viel mehr durch Wachstum als Dividende belohnen.

Fazit

Obwohl Analysten versuchen, dich zu überzeugen, dass du im Aktienmarkt nur durch Entdeckung von „Kursraketen“ reich werden kann, das ist nicht so.

Reich werden ist ein langsamer, langweiliger Prozess. Du kaufst Monat für Monat, Jahr für Jahr, weitere Anteile an guten Unternehmen, die ausreichend Wachstum und/oder Dividende liefern. Preis folgt Nettogewinn, das ist das wichtigste.

Du wirst nicht reich, weil das Unternehmen, an das du investierst, ein großartiges Produkt, ein großartiges Geschäftsmodell oder eine anerkannte Marke hat. Auch nicht, weil es einen soliden Kundenstamm hat. Dies ist für den Aktionär, der an der Börse Geld verdienen will, von geringer oder gar keiner Relevanz, es sei denn es bringt deinem Anteil daran genau das hier: Wachstum und/oder Dividende.

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